Log 003: Kreaturen füttern und beerdigen sowie Geschichten zulassen

Die Story von No Man’s Sky entwickelt sich in dir selbst. Jene, die diese vermissen, nehmen die eigenen nicht ernst oder haben schlicht die Fähigkeit verloren, Geschichten im eigenen Kopf zu entstehen zu lassen.

Irgendwo in diesem freundlichen Sternensystem begegne ich dieser tollpatschigen Kreatur, die mich um Essen (genauer: Eisen) anbettelt. Als ich ihr dies gewähre, tanzt sie auf ihren kurzen Beinen wie ein junger Hund um die eigene Achse, tollt um mich herum und beschenkt mich mit einem roten Kristall, der ein eher wertloses Mineral beinhaltet, welches ich mir in meinen Raumanzug laden darf. Es ist eher Ballast bei meinem knappen Inventarplätzen als wertvolles Gut. Trotzdem bin ich beglückt, folge dem Smiley und selbst als dieser erlischt, habe ich noch nicht genug bekommen. Da die Fauna auf diesem Planeten zahlreich und harmlos ist, finde ich bald wieder einen Artgenossen, dem ich das Futter geradezu aufdränge. Ich bin außer Rand und Band angesichts der Einsamkeit die mich in der Galaxy begleitet und beginne, mit den flimmernden Pixels zu sprechen. Eine Geschichte hat sich entwickelt, für mich zunächst nur, und sie hat etwas vom Klischee des einsamen Nachbarn, der sich einen Hund hält, um sich nicht so nutzlos zu fühlen. Dafür mag man sich insgeheim schämen, aber immerhin: man hat eine Geschichte, die einen bewegt. Es geht wohl anderen ähnlich.

Einen Planeten später die vielen Wirbelwürfel nahe an einem Höhlensystem. Im ersten Zug kann ich unbehelligt viele sammeln und damit meine Rolle als erfolgreicher Kaufmann ausbauen, indem ich mir an einer Raumstation eine Goldene Nase verdiene. Doch kurz danach, als ich wieder gierig auf die Suche gehe, um mich zu bereichern, überfallen mich aggressive Spinnenkreaturen, ähnlich denen, die auf anderen Planeten schon mein Leben beendet haben und mein Inventar geplündert haben. Nachdem ich mich mit Widerwillen mit den Tötungsritualen dieses Spiels vertraut gemacht habe, beherrsche ich letztendlich die Situation und „sprenge“ die böse Kreatur, die nur ihre Umwelt beschützt, in Grund und Boden. Begraben unter Erdbrocken haucht sie ihr Leben aus, nur damit ich weiter Wirbelwürfel „farmen“ kann. Der Widerspruch wird evident. Fast entwickle ich ein schlechtes Gewissen. Wieder erzählt ES mir eine Geschichte, die eng an meine Befindlichkeit gekoppelt ist.

Hunderte Geschichten könnte ich hier noch anführen: etwa jene von der Panik als ich ohne Ressourcen auf einem leeren Planeten zu stranden drohte oder jene, wo ich mich in eine Landschaft zu verlieben drohte. Oder jene von dem Haß, den ich auf intergalaktische Räuber zu entwickeln begann, als sie den Antrieb meines Schiffes lähmten um mich und meine Fracht auszulöschen. Oder, oder, oder …..

Mögen jene schweigen, die die Geschichte in diesem Universums vermissen und es zu verhöhnen beginnen. Mögen sie sich anderen, gefälligeren Welten zuwenden. Wie sagt der Lateiner: „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ Ich bleibe der Romantiker, der ich bin und wehre mich gegen die Zumutungen der fantasielosen Egoshooter.

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