Im Zwielicht von Rebel Galaxy

Auf einmal war es so weit. Ich wollte den Stunden der Trostlosigkeit in NMS entkommen. Vielleicht ein anderes Universum, eine andere Welt, die erforscht werden konnte? Vielleicht auch nur die Neugier auf andere Welten, um später einen Vergleich mit NMS anstellen zu können?  Meine Empörung über den haßerfüllten Umgang mit den überspannten Erwartungshaltungen sollte ja nicht dazu führen, mich in meinen Überzeugungen einzugraben.

Mir fiel mir das Reiseangebot von Rebel Galaxy (RB) in die Hände und ich beschloß einige Tage Urlaub von NMS zu nehmen. Einen anderen Raum akzeptiert, in ein anderes Raumschiff gesetzt, den WARP bedient und schon war ich an einer anderen Frontier. Auch hier eine Welt, in der VorgängerInnen ihre Spuren hinterlassen hatten. Anders als in NMS waren es keine historischen Artefakte oder Aliens, die ich vorfand, sondern deutliche Spuren fröhlicher Zerstörung. Und anders als NMS, das uns eine intakte (wenn auch gefährliche) Umwelt vorgaukelt, ist RG durchpflügt von den gedankenlosen Gewalttätigkeiten der Menschen: beschossen und ausgebeutet in einem Ausmaß, das fast schon beeindruckend ist. Überall Weltraumschrott (Debris): zerschossene Raumschiffe und noch immer scharfe Minen, die von den Kriegen und bewaffneten Auseinandersetzungen zeugen, die ständig stattfinden. Und auch selbst ist man auf dieser Reise in ständiger Gewaltbereitschaft und sucht in der Missionsbörse nach Aufträgen, die man annehmen muss, um Geld zu verdienen. Ständige Aufrüstung ist notwendig, um bestehen zu können und dazu braucht man Geld. Der sich ständig verschärfende (kapitalistische) Kreislauf des Krieges besteht dabei darin, Ressourcen zu gewinnen, die man verkauft, um bessere Raumschiffe zu erwerben, um mehr Ressourcen erwerben und in den Kämpfen erfolgreich sein zu können. Seltsamerweise breitet sich aber sofort beste Laune aus: die Lust an Zerstörung kann immer auch ansteckend sein. Thanatos und Eros sind eine in sich verwobene Einheit und niemand ist frei von Schuld. Moralische Bedenken kommen keine auf. Gerne nimmt man deshalb an der Zerstörung von Raumschiffen teil, die auch am Beginn gut zu gelingen scheint. Umso besser! Der „Epic Space Combat“ ist die verbindende Devise, und man ist der Herr dieser Welt.

Freilich, die Raumschiffe wirken sehr oft wie Pappfiguren, die am Horizont vorbeigezogen werden. das allein schon hemmt die Distanz am Töten, denn ihre Mannschaft bleibt im Wesentlichen anonym.  Der Anspruch des Reisenden an dieses Universum ist ein totaler. Eine Vielzahl von (kriegerischen) Missionen macht erfahren, abgefeimt und gelassen. In RG scheint man die Zügel fest in der Hand zu halten und Überlebenskampf findet keiner statt.

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Cool kommt die Welt von Rebel Galaxy daher, in seiner Mischung aus Rock, Bikerstimmung, Shabby Design und lässig – brutalen Sprüchen, die über den Äther flimmern. In den Raumstationen steht man lässig an der Bar, ein paar Scheine wechseln den Besitzer und auch Söldner kann man hier anwerben. Der Dialog mit den NPCs ist bemüht entspannt. Die Welt und das Gefährliche in ihm ist gechillt und der Ton ist schnoddrig:

The universe isn’t empty – it’s filled with a cast of weird, untrustworthy, endearing, or downright hostile characters. In Rebel Galaxy you will interact with other ship captains, some hostile, some desperate for your help. You’ll meet shady characters in even shadier station bars. You’ll even have to bargain with inscrutable tentacle-faced alien freaks.If you’re silver-tongued, you might make a few friends, or at least temporary allies. Or you could make ’em beg. Your call.

An das Genre des Comix fühlt man sich erinnert: das Inventar (Weltraumstationen, Schiffe) wirkt wie gezeichnet von begabten aber zugedröhnten Hippienauts der 70er Jahre. Das haben RG und NMS gemeinsam.  Daß wir sehr viel nur zweidimensional sehen können und sich auch die vielen Kämpfe in dieser Beschränkung abspielen, verstärkt den Eindruck eines hingeworfenen Sketches aus alten Zeiten. RG ist ein Eldorado amerikanischer Provenienz aus einem Comicbook der 70er. Ein psychedelischer Rausch an Linienführung, Farben, Musik und Detonationen. In den Kassettenrekordern an Bord wimmert der Rock von Blues Saraceno, The Blue News und anderen Bands. Fast möchte man als Pilot Kautabak zu sich nehmen und zielgenau vom Großmaul in den überfüllten Spicknapf befördern. Fest liegt das Steuer in der Hand, auf dem man die Beats mitklopft. Eine Art pubertärer Machismo macht sich breit, der auch die vielen Frauen in RG nicht verschont: sie sind verkommen zu attraktiven Kumpeln, die einem beim Passieren der Schiffe einen schnoddrigen Funkspruch zukommen lassen. Vielleicht lehnt man auch an der Bar und die weibliche Bedienung versorgt einen mit einem guten Tip, wo das nächste Kopfgeld einzustreichen wäre. Nicht aus Zuneigung natürlich, sondern gegen bares Geld. Merkwürdig: erst jetzt fällt mir das völlige Fehlen von Frauen in NMS auf!

Wir leben in einer lust- und kampfbetonten Weltraum-Gegenwart: Aliens oder Relikte aus der Vergangenheit sind spärlich gesät. Auch die Unendlichkeit beschränkt sich auf die klar umrissenen Karte der befahrbaren Regionen. Dahinter endet das Universum offenbar.  Wenig interessiert auch die angebotene Story von der zwielichtigen Tante Juno, der man an Beginn der Reise vorgestellt wird und der man nun nun folgen kann oder nicht. Eine richtige Primärmission ist sie wohl kaum, denn ob man ihr folgt oder nicht, ist eigentlich egal. Das Leben in RG ist profan, und dies ist zwiespältig wie pubertär: wer keine Geschichte, sondern nur Geschichten hat hat auch keine Bestimmung sondern nur Ziele. Über die aktuelle Gegenwart kommt man deshalb nicht hinaus. Den Finger am Abzug schlingert man durchs All, wohlgestimmt und hoffnungsfroh, den Augenblick genießend. Mehr braucht es im Moment auch nicht. Die Zukunft liegt jeweils immer unterm Horizont.

So muß Jugend sein, denkt man voller Sehnsucht. Und Sterben, was ist das schon? Es bedeutet bloß den Verlust der Waren der letzten Mission, und den Raub des Taschengeldes. Sei’s drum! Jeder ist sein eigener Gott! Packen wir es an!

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