Enttäuschte Archäogamer

In einem meiner letzten Artikel war ich davon überzeugt, daß die von Reinhard und seinem Team angekündigte archäologische Erforschung von NMS unbeeindruckt von den Turbulenzen um die Rezeption des Spieles verlaufen würde. Dem ist allerdings leider nicht so, und die Gründe dafür liegen an dem falschen Erwartungshaltungen, das NMS wohl bei vielen geweckt hatte. Das Forschungsunternehmen hatte sich auf Game – interne Vermessungsinstrumente verlassen, von denen man angenommen hatte, daß sie Teil der Software sein würden. Da war das Screenshot – Problem noch das Geringste: die am Bildschirm vorhandenen Tags können nur in den internen Einstellungen, nicht aber „on the fly“ weggeschaltet werden. Das war für ein flüssiges Arbeiten des Forschungsteams ärgerlich. Als unüberwindlich erwies sich allerdings das fast vollständige Fehlen von Navigationsinstrumenten für die Forschungsreisenden, sieht man von einer rudimentären Atlas-Karte ab, die auch nur in Vorwärtsrichtung funktioniert.   In einem Interview mit CBC beschwert sich Forschungsleiter Reinhard darüber, daß sich das 18-köpfige Team mit einem Spiel konfrontiert sahen, auf das sie nicht vorbereitet gewesen wären. War das ein Fehler in den Vorbereitungen? Oder waren von Hello Games etwas insinuiert worden, was dann nicht eingehalten wurde?  Nach einem Monat Forschung, in dem das Team rund 70 Planeten aufgesucht und hunderte Stunden ingame investiert hatten, mußte Reinhard in einem „Weißbuch“ feststellen, daß bestimmte Schlüsselfunktionen, auf denen ihre Forschung beruhen sollte, einfach fehlten, so etwa ein zureichendes Koordinatensystem oder die Möglichkeit, die Reise kartographisch zu verorten. War das aber tatsächlich von Hello games versprochen worden oder war der Wunsch die Mutter des ArchäologInnenwunsches?

That means there is no system to chart where you’ve been, where you’re going or how to retrace your steps, something that would have been of particular interest to his team. The galactic map can thread a straight path towards the centre of the galaxy, but that’s about it.

Jonathan Ore auf CBC

Die Arbeit jedoch müsse weitergehen, meinte Reinhard, Archäologen seien derartigen Kummer gewohnt. Nomasky hofft, daß NMS nicht dasselbe Schicksal drohen wird wie einem anderen Forschungsprojekt von Reinhard. 1983 war bekannt geworden, daß Atari Millionen Exemplare des angeblich schlechteste Spiel aller Zeiten namens E.T. the Extraterrestrial  auf eine Müllhalde in Mexico City verbracht hatten. Reinhard hatte 2013 mehrere Tausend dieser Exemplare geborgen, eine Art Bergung von Kultur der Achtigerjahre unternommen.  Und jetzt schon wieder ein angeblich schlechtestes Spiel aller Zeiten, das man archäologisch zu erforschen sucht.

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Sky Mans No, painting by TacoSauceNinja

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