Strategie und Arbeit

Zugegeben: Stellaris und Planetbase, beides Welten,  die ich auf meinen Mac nutze, fesseln von Anfang an. In einem Fall geht es um die diplomatische und kriegerische Besiedlung eines Universums, im zweiten Fall um die Besiedlung karger und feindlicher Planeten. Beide Welten fesseln, erregen und langweilen mich gleichermaßen.

In beiden Fällen müssen die vorhandenen Ressourcen klug und maßvoll genutzt sowie vorhandene Chancen ergriffen werden, muss getüftelt, gemanaged und taktiert werden. In beiden Fällen stirbt man möglicherweise grausam langsame Tode, sieht sich peinigenden Zwangsläufkeiten und verunsichernden Enttäuschungen ausgeliefert. Immer hat man etwas übersehen. Manchmal findet man sich auch in Situationen wieder, die jede Weiterentwicklung des Spielfortschritts verhöhnen: man ist gefangen in Situationen, in die man sich selbst gebracht hat.  Die Mechanik des Spiels lastet wie eine dunkle Wolke auf dem eigenen Schicksal. Daß man längst verloren ist, will man nicht sehen.

Die Landschaften, die Geschichten, die Überraschungen sind wenig relevant, ebenso, wie man bescheiden aufbereiteten Welten nur mit mäßigem Interesse betreten kann. Die betretene Welt ist weder optisch noch akustisch fesselnd, sie tendiert zum Abstrakten, Wesentlichen und Statistischen. Ohne Hud kein Fortkommen. Kontinuierliche Kontrolle (der Spielzüge) ist alles, sich Verlieren in Details bedeutet den sicheren Tod. Mit erhobenem Zeigefinger kommen diese Welten daher, mit der schwarzen Pädagogik von Oberlehrern, die den mahnenden Finger dem verwahrlosten Struwelpeter entgegenhalten: Schlecht gemacht, gut gemacht, Belohnung, Strafe, Selbstüberwindung, maßlos häufiger Neubeginn, Versagen und Tod. Sieger sind immer die Anderen, die Oberlehrer, nie man selbst. Strategiespiele eben, ein grausames Unterfangen für das aufgeblähte Selbstbewußtsein. Überleben im Kapitalismus eben, eng angepaßt an die eigene Überlebensstrategie im alltäglichen Kampf ums Geld.

Das ist ja nicht weiter verwunderlich bei Strategiespielen und auch nicht etwas, worüber man sich beschweren sollte. Im Gegenteil! Diese Spiele bieten im Wesentlichen das, was ihre Freunde von Ihnen erwarten: Manager- und Fließbandarbeiterstress verkleidet als  Freizeitvergnügen. Der Bedarf danach ist offensichtlich groß und das Angebot unübersehbar. Entspannung ist das aber keine!

Wer etwa dem Youtuber Writing Bull folgt, der wird sich rasch einen Überblick über die verschiedenen Strategiespiele verschaffen können, die derzeit auf dem Markt verfügbar sind: Civilization VI, Predynastic Egypt, Die Zwerge, Expeditions Viking, Urban Empire  u.v.a.m. Mit Endless Space und Stellaris findet sich da auch „Spaciges“ im Angebot. Mit deutscher Gründlichkeit hakt dieser Spieler seine Aufgaben ab und hat sein Hobby offenbar ein Stück weit zum Beruf gemacht. Wer sonst könnte diesen spielerischen Video-Output haben.Writing Bull vertritt das sprachliche Niveau und das gute Benehmen, welches Strategiespieler an den Tag legen sollten: wohlgesetzte Worte und abgeschliffenes Benimmdich. Strategiespieler sind eben die besseren Menschen, die Intellektuellen und Bürgerlichen, die sozial gut Angepaßten. Keine unangepassten Nerds, sondern Hochleistungsmanager! Ein Lob also auf die Tüchtigen unter uns Reisenden. Sie verbringen ihr Leben im Sinne der Kreuzworträtsler: Training ist alles!

Da ist nur wenig Platz für Abenteurer wie Nomasky. Nein, Strategiespiele sind keine eigentliche Alternative zu No Man’s Sky, denn sie lassen der Phantasie, dem Story Telling und dem beschaulichen Verweilen keinen Platz. Über die Hintertür kommt da der Stress des Alltags in mein Leben. Den allerdings kann ich in meiner Freizeit nicht gebrauchen. Das mag anderen Reisenden überlassen bleiben, denen das RL zu ereignislos ist. Und schimpfen tu ich auch gerne hin und wieder, natürlich!

screen12
Gäste zu Besuch auf meiner Planetbase

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s